Zensur, Propaganda & Ratlosigkeit …

Heute – Ein Posting im WhatsApp-Status eines Geschwisters

„Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, garantierte die deutsche Verfassung die Meinungs- und Pressefreiheit. Durch Erlasse und Gesetze schafften die Nazis diese Bürgerrechte ab und zerstörten die deutsche Demokratie. Ab 1934 war es illegal, die Nazi-Regierung zu kritisieren. Selbst das Erzählen eines Witzes über Hitler galt als Verrat. Die Menschen im nationalsozialistischen Deutschland konnten nicht sagen oder schreiben, was sie wollten.“

| Übersetzung des Textes in dem Screenshot des Postings unten
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Bedeuten soll das, dass im Augenblick in Deutschland das gleiche wieder passiert. Weil man die Wahrheit (ultrarechte Narrative, rassistische Hetze, Drohungen und Gewalt etc.) nicht laut aussprechen dürfe. Das ist wirklich frustrierend. Es zeigt, wie tief die verzerrten Narrative über Meinungsfreiheit mittlerweile in manche Kreise eingesickert sind.

Der Vergleich zwischen der demokratischen Bundesrepublik und der totalitären NS-Diktatur ist historisch völlig unhaltbar und moralisch gefährlich.

In Nazi-Deutschland gab es eine vollständige Gleichschaltung der Presse, Bücherverbrennungen, Verhaftungen und Ermordungen von Journalisten und Oppositionellen. Die Nazis schalteten alle unabhängigen Medien aus und ersetzten sie durch reine Propagandaorgane. Jeder öffentliche Widerspruch konnte mit KZ-Haft oder Tod bestraft werden. Dass heute jemand ohne Angst vor staatlicher Repression genau diesen Vergleich ziehen und verbreiten kann, zeigt ja gerade, dass es keine totalitäre Zensur gibt.

Was diese Leute wirklich zu meinen scheinen, ist, dass es gesellschaftlichen Widerspruch gegen bestimmte Positionen gibt. Aber Widerspruch ist keine Zensur. Dass extremistische oder volksverhetzende Inhalte gelöscht oder sanktioniert werden, hat nichts mit totalitärer Unterdrückung zu tun – es ist Teil eines Rechtsstaats, der sich gegen Hass und Hetze verteidigt.

Was heute als „Zensur“ diffamiert wird, ist in Wahrheit der Schutz der Demokratie und ihrer Vertreter

Die Nazis haben ihre Gegner nicht nur zum Schweigen gebracht – sie haben sie physisch vernichtet. Abgeordnete wurden misshandelt, ermordet oder ins Exil getrieben. Der Reichstag war beim Ermächtigungsgesetz von SA- und SS-Leuten umstellt, damit niemand es wagte, dagegen zu stimmen. Das war echte Diktatur, echte Repression, echte Zensur.

Heute dagegen sind es gerade die, die den Staat „diktatorisch“ nennen, die durch Einschüchterung, Drohungen und Gewalt eine Atmosphäre der Angst erzeugen. Sie zwingen Bürgermeister, Lokalpolitiker und Ehrenamtliche zum Rückzug – Menschen, die oft aus Überzeugung für ihre Gemeinden arbeiten. Wer soll diese Aufgaben noch übernehmen, wenn die persönliche Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist?

Die Tatsache, dass sich diese demokratiefeindlichen Akteure dann selbst als Opfer stilisieren, ist perfide. Wer sich öffentlich für ein friedliches, demokratisches Zusammenleben einsetzt, muss heute mit Bedrohungen rechnen – aber diejenigen, die hetzen und drohen, beklagen sich über „Meinungsdiktatur“, wenn sie Konsequenzen spüren.

Wenn sich diese Dynamik weiter entfaltet, bleibt die Frage, wer am Ende noch bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Eine Demokratie kann nur bestehen, wenn sich genug Menschen trauen, für sie einzustehen. Deswegen ist es so wichtig, dem nicht einfach nur mit Resignation zu begegnen.

Es ist bitter, dass diese Parallelen zu den frühen 1930ern heute so wenig erkannt werden – besonders von denen, die am lautesten „Diktatur!“ rufen.
Es ist schwer, mit solchen Verdrehungen umzugehen, besonders wenn sie aus dem eigenen Umfeld kommen.

Gerade in einem Hauskreis, wo eigentlich ein geschützter Raum für Austausch, Glauben und gemeinsames Wachsen sein sollte: wenn dort jemand konstant mit ausfälligen Aussagen, Verzerrungen und verschwörungsgläubigem Denken auftritt, dann kann das eine ganze Gemeinschaft destabilisieren. Die entscheidende Frage ist:

Gibt es noch eine Möglichkeit, ihn zu erreichen – oder ist er bereits so festgefahren, dass jede Diskussion ins Leere läuft? Ein paar Gedanken dazu:
Wenn noch ein Rest an Gesprächsbereitschaft da ist:

Man könnte versuchen, ihm mit Fragen statt Gegenargumenten zu begegnen: „Was genau meinst du mit Zensur? Inwiefern ist es mit der NS-Zeit vergleichbar? Meinst du, dass jede Meinung ohne Konsequenzen bleiben sollte, auch wenn sie andere gefährdet?“ Matthäus 7,12

Solche Fragen können helfen, ihn in eine Reflexion zu bringen – aber nur, wenn er überhaupt offen dafür ist.

Wenn er sich jeder Diskussion verweigert:

Dann stellt sich die Frage, wie sehr ihr euch als Hauskreis das weiter antun wollt. Gerade in christlichen Gemeinschaften gibt es oft eine hohe Leidensbereitschaft und das Gefühl, niemanden „aufgeben“ zu dürfen. Aber wenn jemand nur destruktiv wirkt und andere vergiftet, dann ist auch Schutz wichtig.

Falls der Hauskreis eine Leitung oder Moderation hat, könnte es sinnvoll sein, gemeinsam Grenzen zu setzen: „Hier ist Raum für Austausch, aber nicht für ausfällige Angriffe und haltlose Vergleiche. Wenn du weiter dabei sein willst, erwarten wir respektvollen Umgang.“

Wenn er den Kreis spaltet:

Falls er bereits Anhänger hat oder die Stimmung kippt, wäre es wichtig, mit den anderen offen zu sprechen. Vielleicht gibt es einige, die genauso genervt sind, sich aber nicht trauen, es zu sagen.

Manchmal hilft es, den Fokus klarzumachen: Geht es hier um Glauben, um gegenseitige Ermutigung – oder darum, sich in politischer Wut zu ergehen?

Das ist eine extrem schwierige Situation. Frage dich (und den Kreis), wie viel Energie ihr darauf verwenden wollt – und wo der Punkt ist, an dem es besser wäre, entweder klare Grenzen zu setzen oder selbst eine Alternative zu suchen.

Hast du den Eindruck, dass die anderen im Hauskreis das ähnlich sehen, oder stehst du damit eher allein?

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