Donnerstag, 10. April 2025
Hauskreis | Gemeindesaal
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ | Johannes 12,24 LUT
Wochenspruch vom 30. März 2025
Gott, der Herr, verteidigt mich!
Bibelarbeit | Jesaja 50,4-9 – HFA

4 Gott, der HERR, gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte Menschen trösten und ihnen neuen Mut zusprechen kann. Morgen für Morgen weckt er in mir das Verlangen, von ihm zu lernen wie ein Schüler von seinem Lehrer.
5 Ja, Gott, der HERR, hat mich bereitgemacht, auf ihn zu hören. Ich habe mich nicht gesträubt und bin meiner Aufgabe nicht ausgewichen.
6 Meinen Rücken habe ich hingehalten, als man mich schlug; ich habe mich nicht gewehrt, als sie mir den Bart ausrissen. Ich hielt ihren Beschimpfungen stand und verdeckte mein Gesicht nicht, als sie mich anspuckten.
7 Und doch konnten sie mir meine Würde nicht nehmen, denn Gott, der HERR, verteidigt mich. Darum habe ich auch die Kraft, ihnen die Stirn zu bieten. Ich weiß, ich werde nicht in Schimpf und Schande enden.
8 Der Richter, der mich freisprechen wird, ist schon unterwegs. Wer will mir da noch den Prozess machen? Lasst uns nur vor Gericht gehen! Wer will mich anklagen? Soll er doch herkommen!
9 Ja, Gott, der HERR, verteidigt mich! Wer kann mich da noch schuldig sprechen? Alle meine Ankläger werden umkommen, sie vergehen wie ein Kleid, das die Motten zerfressen.
Sharing im Hauskreis | Geeignete Themen und Inhalte
Du bist die einzige Bibel, die manche jemals lesen werden. | #seieinbriefchristi

Alle meine Ankläger werden umkommen, sie vergehen wie ein Kleid, das die Motten zerfressen.
Frage
Was sind die Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines Hauskreisleiters/einer Hauskreisleiterin?
Prüft alles und behaltet das Gute!
1. Thessalonicher 5,21
Die Jahreslosung für 2025
Praktisch-theologische Resonanzen
1. Persönliche Resonanzen
Gott, die Mächte der Geschichte und eine Schülerhaltung
So schwer zugänglich die dramatischen Linien sind, die sich durch den zweiten Teil des Buches der Jesaja-Schüler ziehen, nachvollziehbar ist, was für eine Ermattung und Kompasslosigkeit in jenen Zeiten vorherrschend gewesen sein muss, in die hinein die Schüler sprechen. Die Vertrauensworte des dritten Gottesknechtsliedes lassen es mit der Haltung beginnen und enden, nicht zurück zu weichen (V.5). Allerdings wird die eigene Verletzlichkeit des Menschen in Schülerhaltung nicht ausgeblendet.
Die Schüler Jesajas halten daran fest, dass Gott historischen Gestalten wie den Perserkönig einsetzt. Dieser bleibt eine schillernde Projektionsfigur, so etwas wie ein „Werkzeug“ göttlichen Handelns, wirksam, aber begrenzt in seiner Rolle. Er wird wieder in den Nebel der Geschichte eintauchen, auch wenn er für einen kurzen historischen Rettungsmoment wichtig war. Ein geschichtsmächtiger Gott kann auch direkt wirken oder er lässt wirken. Das lyrische/ singende Ich des Liedes vom Gottesknecht in Jesaja 50,4ff. als Schülerstimme, wird das verinnerlicht haben.
Statt mit weitgreifendem Auftrag und Versprechen aufzutreten, bleibt sie mehr in der aufnehmenden Haltung. Damit offeriert die Jesaja-Perikope einen Raum, in dem jede lesende Person sich selbst als lernend einfindet. Sie kann Anteil erhalten an der Leidenschaft des Schülers oder der Schüler. Was für eine Leidenschaft und Leidensbereitschaft, wo kaum noch Kraft und Perspektiven gewesen sein müssen, wo eine traumatisierende Geschichte der Zerstörung in der kollektiven Erinnerung allen Raum zu besetzen scheint, wo nach menschlich-irdischen Maßstäben kaum noch etwas übrig ist von dem Israel der königlichen Zeiten! Da wird ein Zuspruch laut, der Richtung gibt. So machtvoll er ist, wird er vor Rückschlägen und Schmerzen nicht schützen, vor keinem Schlag, keiner Beschämung. Die Erfahrungswelt des singenden Schüler-Ich oder Schüler-Wir, das sind doppelte Ohnmachtserfahrungen. Was bleibt dem Getroffenen da, als das eigene Gesicht „hart wie Kieselstein“ werden zu lassen: „Strategie“ des Selbstschutzes, ohne sich in eine willenlose Opferrolle zu fügen. Kein willenloses Hinnehmen in Furcht und Zittern. Das verletzliche Selbst muss sich bergen vor dem Zugriff derer, denen es nur darum geht, andere zu erniedrigen. Die Peiniger werden vergehen. In ihrer Sterblichkeit und Endlichkeit sind sie nichts als Mücken und Motten. Sprechend das Bild von den Motten, die auch vernichten, zerfressen und plagen können! Aber sie bekommen eine Grenze gesetzt. Wie kann ich mich mit einem solchen singenden Ich gedanklich verbinden? Vergeht einem nicht Hören und Sehen angesichts solcher fast übermenschlichen Ungebrochenheit? Welche theologische Sinngebung liegt in solcher Haltung?
2. Thematische Fokussierung
Krise, Kraft und Kompass
Tiefer hätte die Krise der Erschöpfung vor dem Wiederaufbau am Zion nicht sein können. Warum dort ausgerechnet wieder anfangen? Worin liegt der Sinn? Können nicht andere Orte zu behüteten Orten mit Perspektive für die nächsten Generationen werden? Ermattung als Zeitzeichen, auf die sich die Schüler Jesajas beziehen. In die kollektive Niedergeschlagenheit wird in so etwas wie eine politische Morgenzeit hineingesprochen. Es gibt nicht nur die eine schwere Zeit, sondern es ist immer wieder Zeit, an die Kraft anzuknüpfen, die in neuen Anfängen liegt.
Die heißen, millionenfach traumatisierenden Konflikte der Gegenwart sind anders als die Schmerzpunkte der Zeit der Jesaja-Schüler. Aber es verbindet sich von der Jesaja-Welt her etwas mit den wunden Punkten der Gegenwart: Das Gefühl, Sicherheiten verloren zu haben. Trägt da, was als Verbesserung, als Veränderung, als Zukunft benannt und beschworen wird? Warum ist das Bild dieser Zukunft scheinbar ohne jedes Funkeln? Warum sollte man dann die alten Muster und Routinen verlassen, wenn das Neue so gänzlich unbekannt und fern zu sein scheint? Wann wird es je wieder eine Gemeinschaft geben, deren tiefe Verwundungen vernarbt und deren Trauma verarbeitet ist? Die einen reden von großen Veränderungen, die nötig und bereits da sind, die anderen reden von kleinen Schritten. Vor diesem Hintergrund muss schon damals der Aufruf des Gottesknechtes etwas auch Überforderndes gehabt haben. Die Zeitzeichen des 21. Jahrhunderts, Dauernachrichten von Vertreibung, Flucht und Schutzlosigkeit, Gewalt und Terror, halten sich nicht auf Abstand. Angefochten ist die Grundüberzeugung, dass sich der Schutzanspruch jedes einzelnen Menschen, dass sich die fundamentalsten Menschenrechte, dass sich Gerechtigkeit und Rechtsräume durchsetzen werden.
Zurück zum Neuen – zu welchem Preis?
Lohnt es sich, wieder neu anzufangen? Lohnt es sich etwa, in ein Land zurück zu kehren, das in Trümmern liegt? Millionenfach fragen sich das Menschen, die Schutz suchend in Nachbarstaaten vor Krieg und Terror geflohen waren. Weit über 100 Millionen Fliehende sind Mahnzeichen unserer Zeit. Im andauernden Krieg eines russischen Machthabers gegen die Ukraine treibt neben vielen anderen auch dies um: Wie weit wird die Kraft reichen müssen, eines Tages auf den Schutt- und Aschebergen neu zu beginnen und zu wissen, es wird Generationen des Aufbaus brauchen, um zu versöhnen und zu heilen, was zerbrochen ist. Wer die Rückkehr für sich ausgeschlossen hat, trägt bleibend die Entwurzelung in sich. Wer in der Fremde bleibt und in ihr heimisch zu werden versucht, ringt unter Umständen auch mit Ablehnung. Zu den Zeitzeichen der Gegenwart gehören auch Ressentiment und Extremismus. Menschen wollen Kapital aus Furcht und Verunsicherung schlagen. Gemeinsinn und Pluralität sind gefährdet, denn gewalthaltige Stimmen erschrecken in ihrem Drohpotenzial. Die Antwort kann mit der Härte von Kieselsteinen nur sein, dass es immer noch mehr gemeinschaftliche Verständigung darüber braucht, wofür es sich lohnt, einzutreten und gemeinsam die Zumutungen zu tragen. Der Leipziger Soziologe Jonathan Beh spricht von einer „Krise der Imagination“. Die Kraft zu einer gemeinsamen Vision auf eine Zeit der Heilung und Versöhnung quillt nicht aus kieselharter Abgrenzung gegen die gewaltanmaßenden Kräfte der Gegenwart. Sie quillt aus dem Vertrauen, dass Gott nicht aufhört zu reden, wenn Menschen hinhören.
Gott braucht Menschen mit Morgen-Sinn
Wer hinhört erkennt, dass ein Vertrauen in eine zusprechende Gottesstimme nicht kleinzureden ist. Die Grenzen unserer Machbarkeit sind nicht die Grenzen der Kraft Gottes. Keine Menschenmacht ist grenzenlos. Sie unterscheidet sie sich in vielem nicht von der Kraft einer Motte. Es mögen sich immer wieder Menschen auf die Bühnen der Geschichte stellen und als Sieger inszenieren. Sie sind nach dem Maß der Schöpferkraft am Ende nicht wirkungsreicher als ein Insekt. Wer auf Gottes Wort vom Kommen einer Zeit der Heilung und des Hellwerdens für alle hört, der steht auf wie eine Schülerin am Morgen eines neuen Tages. Gott braucht Menschen mit Morgen-Sinn, um seine Zeitrechnung wirksam werden zu lassen. Die Stimmen, die diese Morgenkraft Gottes zugunsten seines erst- und bleibend geliebten Volkes Israel immer wieder in Abrede stellen, sind zwar da. Aber sie versuchen vergeblich, die Hoffnung auf eine neue Zeit in Frieden mit allen Völkern anzufressen wie Motten die besten Kleider.
Mit solcher Vertrauenskraft der Worte des Jesaja-Schülers in Kontakt zu kommen, kann auch heißen, sie einzuüben im Beten und Singen. Eine Hoffnungsübung, stärker und belastbarer als das Vertrauen in Prognosen. Es ist möglich, selbst in unscheinbaren und faden Momenten der Zeitgeschichte Gottes andere Zeitrechnung zu sehen, eine Zeit nämlich, in der nicht abgerechnet wird, sondern jenseits karger Eigenbilanzen Gott für die Zusage steht: Kein Schüler geht im erlittenen Unrecht unter.
3. Bezug zum Kirchenjahr
Gottes Kraft wird selbst zur Geschichte
Am Palmsonntag wird erinnert, dass die Sieger, die über Schutthaufen gehen, nicht Sieger bleiben. Der Blick richtet sich auf alle, die in die Fänge der Mächtigen geraten sind, dem Rad in die Speichen fallen, indem sie die Wahrheit gegen die Maschinerie von Menschenverachtung offenlegen. Der Raum für diese Erinnerung ist mit der Erinnerung an Jesu Einzug in Jerusalem gegeben. Ein Mann nach den Maßstäben dieser Welt mit fast nichts ausgestattet. Aber er hat Worte, Haltung und Sendung in Gemeinschaft mitwandernder Schüler, ein bewusst wehrloser Mensch, eingebunden in das jüdische Gemeinschaftsgedächtnis mit einer Sehnsucht nach Gottes Frieden, begibt sich ins Zentrum der imperial entfesselten Mächte. Das an sich ist schon erschöpfend für alle, die widerstehen. Aber es sollte keine Zeit der Resignation bleiben. Die Evangelien provozieren in prophetischer Tradition, indem sie Jesu Machtverzicht inszenieren. Es ist die paradoxe Provokation eines Menschen, der eine Königsherrschaft ansagt, ohne den Machtmaßstäben seiner Zeit zu entsprechen, ohne sich an die Spielregeln der Gewalthaber zu halten. Jesu inszenierte Ansage wird zum Politikum. Es werden Folter und tödliche Tortur folgen. Zugleich stehen wir damit am Eingangstor in die Woche, die Jesu Hingabe, Widerspruch und Leidensweg nachvollzieht. So leuchtet mit Jesaja der Erinnerungsraum auf, aus dem die Kraft zur Provokation gegen die Mächte dieser Welt herreicht. Der Palmsonntag öffnet die Tür von der Erschöpfung zur Vertrauenskraft. Müde werden wach und stehen auf, sogar noch im qualvollen Sterben unter Gewalt. Wie wir die Botschaft am Anfang einer Woche der Hingabe und des Gedächtnisses hören, das ist eine Frage des Vertrauens. Hörtraining ist Vertrauenseinübung. Eins bleibt aufs andere bezogen. Berührt von der Morgenkraft eines neuen Tages lässt sich mit Jochen Klepper daran erinnern: Gott „spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als sein Ruf! Das Wort der ewigen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs neue so wie ein Jünger hört.“ (EG 452,2)