Ein Impuls zum Umgang mit historischen Traumata im Glauben
In unserem Kreis begegnen wir einander mit sehr unterschiedlichen Geschichten. Manche tragen Traumata in sich, die nicht nur persönlich sind, sondern sich über Generationen fortsetzen. Wenn Eltern durch politische Gewalt zerbrochen wurden – durch Lager, Hunger, Zensur oder Angst –, dann prägt das nicht nur Biografien, sondern Weltbilder. Solcher Schmerz ist real. Er verdient Gehör und Mitgefühl.
Aber er ist nicht die ganze Wahrheit.
Wer aus eigenem Leid heraus beginnt, ganze Ideen oder Weltanschauungen zu verdammen – wer mit spöttischer Aggression sagt, der Kommunismus sei „die größte Plage der Menschheit“ oder das Leben „schulde ihm Gerechtigkeit“ – der macht sein eigenes Trauma zur Waffe. Das ist verständlich, aber gefährlich. Denn es versperrt jede ehrliche Auseinandersetzung. Es macht aus Geschichte eine Wand, nicht ein Fenster.
Als Christen sind wir eingeladen, Schmerz zu würdigen – aber nicht zu verewigen. Wir dürfen fragen: Was hat dieses Leid mit mir gemacht? Aber wir dürfen auch fragen: Was darf es nicht mehr mit mir machen?
Vergebung bedeutet nicht, Unrecht zu leugnen.
Aber es bedeutet, nicht länger in der Pose des Opfers zu verharren, wenn daraus Anmaßung oder Abwertung anderer wird.
Ein Hauskreis ist kein Tribunal und kein Twitter-Forum. Er ist ein Ort, an dem wir es wagen dürfen, die Risse offenzulegen, ohne sie gleich zuzuschmieren. Ein Ort, an dem Geschichte nicht zudeckt, sondern aufgedeckt werden darf – im Licht des Evangeliums, das nicht sagt: „Du hast recht“, sondern: „Du bist geliebt.“