Für Gemeinden, Hauskreise und Mitarbeitende – Dieses Impulspapier lädt dazu ein, die eigene Sprache im kirchlichen Kontext zu reflektieren.
Reden wir so, dass Menschen sich gesehen, angesprochen und eingeladen fühlen? Oder verwenden wir – oft unbewusst – Begriffe und Formulierungen, die ausschließen, überfordern oder verletzen?
Es geht nicht um sprachliche Perfektion. Es geht um Aufmerksamkeit, Liebe – und um die Frage:
Wie klingt Christus durch uns?
1. Was säkulare Menschen (nicht) verstehen
Viele kirchliche Begriffe tragen eine lange Geschichte – aber keine selbstverständliche Bedeutung mehr für Außenstehende.
| Kirchlicher Begriff | Mögliche Reaktion säkularer Menschen |
|---|---|
| „Bekehrung“ | Klingt nach Zwang oder Gehirnwäsche |
| „Sünde“ | Wird als moralischer Vorwurf verstanden |
| „erlöst“ | Wovon? Warum überhaupt? |
| „Jüngerschaft“ | Versteht keiner, klingt nach Sekte |
| „Fleischliches Denken“ | Verstörend oder peinlich |
Viele Menschen spüren zwar, wenn etwas echt, liebevoll oder heilend ist – aber sie verstehen es nicht, wenn es in einer frommen Sprache verpackt ist, die wie ein Code funktioniert.
Übersetzung ist kein Verrat. Es ist gelebte Nächstenliebe.
2. Die Macht von Formulierungen
Sprache formt Wirklichkeit. Wer sich ausgeschlossen fühlt, wird die Botschaft nicht hören – egal wie gut sie gemeint ist.
Beispiele:
- „Du musst Jesus in dein Herz lassen“ → klingt nach Druck
- „Gott liebt dich – egal wo du stehst“ → weckt Vertrauen
- „Wir glauben an die eine Wahrheit“ → klingt dogmatisch
- „Wir sind gemeinsam unterwegs, auf der Suche nach Sinn und Hoffnung“ → lädt ein zur Gemeinschaft
Sprache kann:
✔ Vertrauen schaffen
✘ Mauern errichten
✔ Hoffnung wecken
✘ Schuld einreden
✔ Beziehung ermöglichen
✘ Überlegenheit demonstrieren
3. Praktische Übersetzungshilfen
| Kirchensprache | Heutige Sprache |
|---|---|
| „Sünde“ | „Getrenntsein von dem, was gut ist“ |
| „Erlösung“ | „Befreiung von dem, was mich kaputt macht“ |
| „Gnade“ | „Ich werde gehalten – ohne dass ich es verdienen muss“ |
| „Heiliger Geist“ | „Gottes unsichtbare, lebendige Nähe“ |
| „Berufung“ | „Wofür ich lebe – was mir Sinn gibt“ |
| „Gemeinde“ | „Ein Ort, wo Menschen im Glauben verbunden sind“ |
Tipp: Frag dich beim Reden oder Schreiben immer:
Würde das jemand verstehen, der noch nie in einer Kirche war?
4. Fünf Prinzipien für eine offene Sprache des Glaubens
1. Klar statt kryptisch
Erkläre Begriffe. Verwende Alltagssprache.
2. Persönlich statt belehrend
Sprich von dir, nicht über „die anderen“. Sag: Ich habe erlebt…, statt: Du musst verstehen…
3. Hoffnung statt Drohung
Christus ruft zur Liebe – nicht zur Angst.
4. Einladung statt Ausschluss
Stell Fragen. Hör zu. Vermeide Sprachmuster, die zwischen „drinnen“ und „draußen“ unterscheiden.
5. Christus im Zentrum – nicht die Sprache
Er ist das Wort Gottes. Wir sind nicht berufen, Worte zu hüten – sondern den lebendigen Christus erfahrbar zu machen.
5. Checkliste: Reden wir einladend – oder exklusiv?
🟢 Wir sagen, was wir lieben, nicht nur, woran wir nicht glauben
🟢 Wir verwenden Worte, die verstanden werden
🟢 Wir sprechen hoffnungsvoll statt problemorientiert
🟢 Wir hören zu, bevor wir sprechen
🟢 Wir lassen Raum für Zweifel, Fragen und andere Perspektiven
🔴 Wir reden über andere Gruppen „von oben herab“
🔴 Wir benutzen Insiderbegriffe ohne Erklärung
🔴 Wir unterstellen, dass unser Hören und Verstehen „richtig“ ist
🔴 Wir verwenden Druck oder moralischen Zwang
Anhang: Bibelworte in heutiger Sprache
Eine kleine Auswahl, die zeigt:
Gottes Wort braucht keine Floskeln – nur offene Herzen.
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben – Leben in ganzer Fülle.“
(Joh 10,10 – übertragen)„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“
(Mt 25,40)„Es ist nicht nötig, dass ihr viele Worte macht beim Beten. Euer Vater weiß, was ihr braucht.“
(Mt 6,7–8)„Wo Gottes Geist weht, da ist Freiheit.“
(2 Kor 3,17)„Die Liebe hat keine Angst. Wo Liebe ist, da muss die Angst weichen.“
(1 Joh 4,18)
Verwendungsmöglichkeiten
- Als Workshop-Unterlage z. B. in der Ehrenamts- oder Jugendarbeit
- Als Broschüre für neue Mitarbeitende in Kirche & Diakonie
- Als Gesprächsgrundlage in Leitungsteams, für Hauskreise oder Bibelschulen
- Als Impulsgeber für Predigten, Andachten, Mitarbeiterschulungen
Wenn du möchtest, gestalte ich dir daraus gern eine formatiert druckbare Broschüre (z. B. als PDF oder für Canva/Word). Auch Erweiterungen, z. B. mit konkreten Beispielen aus der Seelsorge oder Jugendarbeit, sind möglich.